Einzelarbeit

Definition: Die/ der Lernende arbeitet alleine an einer Aufgabe, die ihr/ ihm zuvor gestellt wurde.

Der Einzelunterricht ist die älteste Sozialform. In dieser Sozialform übt jede/r Lernende Verantwortlichkeit für das eigene Lernen zu übernehmen (vgl. Glöckel 1996). Durch die Zuwendung zur Aufgabe ohne Vermittlung durch die Lehrperson, unterstützt die Form der Einzelarbeit die Vorbereitung auf das spätere selbstständige Lernen. Im Zuge der zunehmenden Bedeutung des lebenslangen Lernens ist die Fähigkeit, sich selbst Informationen zu beschaffen und anzueignen eine grundlegende Voraussetzung. Die SchülerInnen setzen sich in der Einzelarbeit mit den eigenen Lernstilen, den eigenen Potenzialen und Grenzen auseinander.

Einzelarbeit sollte immer auf der Grundlage präziser Aufgabenstellung erfolgen. Die Lernmethode kann, muss aber nicht vorgegeben sein. Das Finden eines eigenen Lösungsweges und die selbstständige Wahl einer Methode durch die SchülerInnen können je nach Zielsetzung und Aufgabenstellung sinnvoll sein.

Vor allem in Phasen der Wiederholung und des Einübens für die selbstständige Anwendung von Kenntnissen, Erkenntnissen und Fähigkeiten ist die Einzelarbeit sinnvoll (vgl. Köck 2000). Jede/r Einzelne kann den persönlichen Lernfortschritt überprüfen und LehrerInnen können Defizite bei den einzelnen SchülerInnen erkennen und diesen entgegenwirken.

Vor- und Nachteile der Einzelarbeit

Besonders in individualisierten Lernformen (Binnendifferenzierung) ist die Einzelarbeit sinnvoll, da sie Möglichkeiten der Individualisierung der Lernprozesse nach Lernaufgaben, Methode, Arbeitstempo, Leistungsfähigkeit und Interessen zulässt.

Einzelarbeit hat jedoch ihre Grenzen. Sie eignet sich insbesondere für ein Lernen auf dem schon erreichten Niveau des Stofferwerbs und der Anwendung (Glöckel 1996). Sobald es um ein tieferes Verständnis geht, ist die Führung durch die Lehrperson wieder unverzichtbar. Gute Arbeitsmittel können diese Führung teilweise ersetzen.
Bei häufiger Anwendung von Einzelarbeit kommen soziale Lernprozesse zu kurz. Außerdem kann es zu Motivationsproblemen bei den SchülerInnen führen, wenn sie sich unter- bzw. überfordert fühlen. Daher ist es Aufgabe der Lehrperson, die SchülerInnen während der Einzelarbeit zu beraten und vor allem die Leistungsniveaus richtig einzuschätzen, um Über- und Unterforderungen zu vermeiden.

Zitierte Literatur

Glöckel, H. (1996). Vom Unterricht. Lehrbuch der allgemeinen Didaktik. Bad Heilbrunn.
Gudjons, H. (2003). Frontalunterricht - neu entdeckt. Bad Heilbrunn.
Köck, P. (2000). Handbuch der Schulpädagogik für Studium - Praxis - Prüfung. Donauwörth.

Weiterführende Literatur

Topsch, W. (2002). Die lern-/lehrtheoretische Didaktik. In H. Kiper, H. Meyer & W.Topsch. Einführung in die Schulpädagogik. Berlin, S.76-86.