Selbstgesteuertes Lernen
| Definition: Selbstgesteuertes Lernen ist eine Lernform, bei der der Lernende abhängig von der Art der Lernmotivation selbstbestimmt Steuerungsmaßnahmen (meta-)kognitiver, volitionaler oder verhaltensmäßiger Art ergreift und den Fortgang des Lernprozesses selbst (metakognitiv) überwacht, reguliert und bewertet (Konrad/ Traub 1999, S. 13). |
Dem Begriff des selbstgesteuerten bzw. selbstregulierten Lernens ist in der Literatur keine eindeutige Definition zuzuordnen. So findet sich eine Vielzahl von Definitionsansätzen, die allerdings bestimmte Gemeinsamkeiten aufweisen. So steht nach Deitering „der lernende Mensch [...] im Mittelpunkt; er ist Initiator und Organisator seines eigenen Lernprozesses. Die Zielvorstellungen der Förderung von Selbstbestimmung, Selbsttätigkeit und Selbstverantwortung im Lernprozess ist in vielen Ansätzen zu finden“ (Deitering 1995, S. 11).
Weinert beschreibt selbstgesteuertes Lernen als eine Form des Lernens, bei der „der Handelnde die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann“ (Weinert 1982, S. 102).
Einigkeit besteht laut Artelt, Demmrich und Baumert in Hinblick auf die funktionale Bestimmung des selbstregulierten Lernens: „Lernende, die ihr eigenes Lernen regulieren, sind in der Lage, sich selbstständig Ziele zu setzen, dem Inhalt und Ziel angemessene Techniken und Strategien auszuwählen und sie auch einzusetzen. Ferner halten sie ihre Motivation aufrecht, bewerten die Zielerreichung während und nach Abschluss des Lernprozesses und korrigieren - wenn notwendig - die Lernstrategie“ (Simons 1992, zit. nach Artelt/ Demmrich/ Baumert 2001, S 271). Die „erfolgreiche Selbstregulation des Lernens [...bestehe] unter anderem darin, auf der Basis der Aufgabenanforderungen und des eigenen Kenntnisstandes einzuschätzen, welche Mittel (Strategien) für die Zielerreichung angemessen sind“ (Artelt/ Demmrich /Baumert 2001, S. 297).
Boekaerts (1997) hat ein theoretisches Modell des selbstregulierten Lernens entwickelt, in dem drei Regulationssysteme unterschieden werden, die im Lernprozess zusammenspielen und diesen steuern. Sie unterscheidet das kognitive und metakognitive vom motivationalen Regulationssystem. Zur kognitiven und metakognitiven Regulation zählen das bereichsspezifische Wissen, sowie kognitive und metakognitive Lernstrategien. Zum bereichsspezifischen Wissen gehört das Wissenskorpus des jeweiligen Inhaltsbereichs, also das gesamte Begriffs- und Prozedurwissen. Das Wissen über kognitive Strategien hängt wiederum stark vom deklarativen Wissen im jeweiligen Inhaltsbereich ab. Wissensdefizite in einem Bereich dieses Modells erschweren oder verhindern das selbstregulierte Lernen. Zur motivationalen Regulation zählen Boekaerts dispositionale motivationale Orientierungen (wie z.B. Aspekte des Selbstkonzepts, Kontrollüberzeugungen, motivationale Präferenzen, Prüfungsangst oder subjektive Theorien der Begabung), Merkmale des situationalen Motivationszustands (wie Aufmerksamkeit oder Ausdauer), sowie volitionale Komponenten der Handlungssteuerung, die dazu beitragen, dass eine einmal begonnene Handlung auch zielstrebig durchgehalten und gegen konkurrierende Intentionen abgeschirmt wird.
Eine geforderte größere Selbstständigkeit im Lernprozess kommt den leistungsstarken eher zu Gute, als den leistungsschwachen SchülerInnen. Aufgrund der Ergebnisse der projektspezifischen Evaluation des nordrhein-westfälischen Modellversuchs SelMa (‚Selbstlernen in der gymnasialen Oberstufe - Mathematik’) bilanzieren Preussler und Schulz-Zander (2004), dass es erforderlich ist, die SchülerInnen auf den Umgang mit neuen Lernmethoden und die Nutzung neuer Medien als Werkzeuge bei der Problembearbeitung vorzubereiten, sowie Strategien zur Bearbeitung offener Aufgaben und authentischer Probleme und Methoden zur Reflexion des Lernprozesses frühzeitig zu vermitteln.
Zitierte Literatur
Artelt, C., Demmrich, A. & Baumert, J. (2001). Selbstreguliertes Lernen. In Deutsches PISA-Konsortium (Hrsg.). PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich. Opladen, S. 271-298.Boekaerts, M. (1997). Self-Regulated Learning: A new concept embraced by researchers, policy makers, educators, teachers and students. Learning and Instruction, 7 (2), 161-186.
Deitering, F. G. (1995). Selbstgesteuertes Lernen. Göttingen.
Konrad, K. & Traub, S. (1999). Selbstgesteuertes Lernen in Theorie und Praxis. München.
Preussler, A. & Schulz-Zander, R. (2004). Selbstreguliertes Lernen im Mathematikunterricht - Empirische Ergebnisse des Modellversuchs SelMa. In F. Schumacher (Hrsg.). Innovativer Unterricht mit neuen Medien. Ergebnisse wissenschaftlicher Begleitung von SEMIK-Einzelprojekten. Grünwald: FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, 119-141.
Schulz-Zander, R. & Riegas-Staackmann, A. (2004). Neue Medien im Unterricht - eine Zwischenbilanz. In H. G. Holtappels, K. Klemm, H. Pfeiffer, H.-G. Rolff & R. Schulz-Zander (Hrsg.). Jahrbuch der Schulentwicklung, Bd. 13. Weinheim/München: Juventa, S. 291-330.
Weinert, F. E. (1982). Selbstgesteuertes Lernen als Voraussetzung, Methode und Ziel des Unterrichts. In Unterrichtswissenschaft 10 (2), S. 99-110.
