Individualisiertes Lernen

Definition: Beim individualisierten Lernen werden durch eine entsprechende Unterrichtsgestaltung die Fähigkeiten von SchülerInnen innerhalb einer Klasse aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausgangslage bzw. Lernmöglichkeiten individuell gefördert (vgl. Köck 2000).

Übersicht

Die unterschiedlichen Voraussetzungen der SchülerInnen - bezüglich des Vorwissens, der Interessen und der Lernpotenziale - machen individualisiertes Lernen in der Schule notwendig. In diesem Zusammenhang ist die Binnendifferenzierung ein entscheidendes Strukturmerkmal von Unterricht.

Durch die Differenzierung wird versucht, die SchülerInnen bei ihrem individuellen Leistungsstand abzuholen. Die Lernenden sollen möglichst ohne Über- und Unterforderung optimal gefördert werden (vgl. Claussen 1997).

Unterschiedliche Ansätze der Individualisierung

Während es sich bei der äußeren Differenzierung um eine lerngruppenübergreifende Differenzierung handelt, zeichnet die Binnendifferenzierung (auch innere Differenzierung genannt) die Differenzierung innerhalb der Lerngruppe aus. Binnendifferenzierung bedeutet, den SchülerInnen eine Lernumgebung bereit zu stellen, die differenzierte Hilfen liefert und dadurch langsamen und schnellen Lernenden (durch Anforderungsreduzierung bzw. Zusatzangebote) gleichermaßen gerecht wird.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der inneren Differenzierung (vgl. Köck 2000):

· Die thematisch-intentionale Differenzierung greift Neigungen und Interessen der SchülerInnen auf. Dies kann durch die Möglichkeit der Auswahl eines Schwerpunktthemas aus dem Lehrplan oder einer arbeitsteiligen Kleingruppenarbeit geschehen.

· Die soziale Differenzierung wird meist in Kombination mit anderen differenzierenden Maßnahmen praktiziert und dient dem sozialen Lernen. Hier werden gezielt Gruppen eingeteilt, die der Öffnung eingeschworener Schülercliquen dienen, indem soziale Strukturen aufgebrochen werden.

· Die am häufigsten eingesetzte Maßnahme zur inneren Differenzierung ist die methodische Differenzierung. Die Lehrperson setzt Sozialformen und Aktionsformen des Unterrichts entsprechend den Erfordernissen ein, bietet unterschiedliche Übungsarten an und variiert Lerntempo und Lernzeiten entsprechend den Voraussetzungen der SchülerInnen. Eine hierfür geeignete Methode ist z.B. der Arbeits- und Wochenplan.

· Die mediale Differenzierung versetzt die SchülerInnen in die Lage, an Lernmaterialien und Medienangeboten, sowie Arbeitsmitteln zu arbeiten, die ihrer Aufnahme- und Verarbeitungskapazität entsprechen. Jede/ Jeder kann zwischen Erklärungen der Lehrperson, Texten, Graphiken, Bildern und Modellen das für sie/ihn passende Angebot auswählen.

Voraussetzungen für eine gelungene Individualisierung

Für eine angemessene und sinnvolle Maßnahme sollte vorweg eine differenzierende Bestandsaufnahme für eine Unterscheidung innerhalb der Lerngruppe sorgen (z.B. Begabungsschwerpunkte, bisherige Lernerfahrungen, unökonomische Lernstile, ungünstige Lernbedingungen zu Hause etc.).

 

Zitierte Literatur

Claussen, C. (1997). Unterrichten mit Wochenplänen. Weinheim/Basel.

Bönsch, M. (1995). Differenzierung in Schule und Unterricht. München.

Köck, P. (2000). Handbuch der Schulpädagogik für Studium - Praxis - Prüfung. Donauwörth.

Weiterführende Literatur

Bauer, G. (1995). Freiarbeit und Differenzierung. Reutlingen.

Baumann U. u.a. (1977). Pädagogische Differenzierungsmodelle. Stuttgart.

Böhnel, E. & Kahn-Svik, G. (1995). Schulische Differenzierung. Frankfurt.

Fischer, M. & Michael, B. (Hrsg.) (1973). Differenzierung im Schulunterricht. Weinheim/Basel.

Glogauer, W. (Hrsg.) (1976). Neue Konzeptionen für individualisiertes Lehrer und Lernen. Bad Heilbrunn.

Herber, H. (1983). Innere Differenzierung im Unterricht. Stuttgart.

Hopf, D. (1976). Differenzierung in der Schule. Stuttgart.

Radatz, H. & Rickmeyer, K. (1996). Aufgaben zur Differenzierung. Im Mathematikunterricht der Grundschule. München.