Montessori-Ansatz

„Hilf mir, es selbst zu tun, dann hilfst du mir, ich selbst zu werden.“ (Candolioni, 2007, S. 36)

Der Grundgedanke des pädagogischen Ansatzes Maria Montessoris (1870-1952) ist es, "Kindern in ihrer natürlichen Entwicklung zu folgen, ihrem Lernwillen völlig zu vertrauen und [...] Schule möglichst an den Bedürfnissen der Kinder zu orientieren" (Candolini, 2007, S. 4).

Aus Montessoris Sicht sind alle Menschen neugierig. Aus diesem Wunsch nach Neuem resultiert ein Drang zu schauen, zu greifen, zu tasten und zu gehen, zu schreiben, zu lesen und zu rechnen.
Dabei lernt allerdings jeder Mensch nach einer eigenen inneren Uhr und sucht Antworten auf Fragen, die ihn in diesem Moment bewegen.

Voraussetzungen:
Um individuelles Lernen einzelner Schüler zu ermöglichen, müssen nach Montessori verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein.

  • Die Regeln des Miteinanders müssen einfach und klar sein.
  • Die Lernumgebung muss in Form ausgearbeiteter und bereitgestellter Lernmaterialien vorbereitet sein.
  • Aufgaben, die nicht selbsterklärend sind, müssen den Lernenden erläutert werden.
  • Der Lernprozess muss dem Top-Down-Ansatz folgen, d. h. Lernen findet vom Großen zum Kleinen, vom Ganzen zum Detail und vom Konkreten zum Abstrakten statt.

Konzepte:
Lehren und Lernen nach dem Ansatz Maria Montessoris folgt drei wesentlichen Konzepten:

1. „Der Mensch ist Baumeister seiner selbst.“ (Candolini, 2007, S. 10)
Lernende sollen ihre Arbeit frei wählen dürfen. Dies beinhaltet, dass sie entscheiden können, was sie machen wollen, mit wem sie dies tun wollen, wo und wie lange sie es tun wollen.

2. „Freiheit entfaltet sich in einem Rahmen.“ (Candolini, 2007, S. 10)
Das Einhalten von Grundregeln, wie einander nicht zu verletzen, niemanden bei der Arbeit zu stören und begonnene Aufgaben zu beenden, ist für erfolgreiches Lernen wichtig.

3. „Wissen braucht Nahrung.“ (Candolini, 2007, S. 10)
Lernumgebungen müssen durch Lehrer vorbereitet werden. Dazu gehört es diese für Kinder individuell anzupassen. Die Umgebungen sollten zudem geordnet, überschaubar und ästhetisch sein. Das Arbeitsmaterial soll die Lernenden zum Tätigwerden motivieren.

Innere Grundlagen:
Mit „innere Grundlagen“ (Candolini, 2007. S. 12) bezeichnet Montessori unterschiedliche Lernvoraussetzungen, die einzelne Menschen aufweisen.
Aus ihrer Sicht hat zwar jeder Mensch den gleichen Bauplan mit bestimmten Entwicklungsmustern. Ein Jeder folgt diesem jedoch in individueller Zeit und Ausprägung. Kinder benötigen also zum Lernen anregendes Material, müssen aber zum Lernen nicht angehalten werden, denn sie lernen von selbst, weil sie es wollen.
Weiterhin sollte beachtet werden, dass es laut Montessori sogenannte „sensible Phasen“ (Candolini, 2007, S. 13) gibt. Dies sind Phasen, in denen Kinder für nachhaltiges und schnelles Lernen und somit für einen schnellen Lernfortschritt besonders aufgeschlossen sind. Ziel sollte es also sein, Kinder anzuregen und möglichst häufig diese Momente höchster Konzentration zu ermöglichen.

Rolle des Lehrers:
Welche Rolle der Lehrer im Unterricht einnehmen sollte, wird durch folgendes Zitat Montessoris deutlich:
„Der Lehrer muss das Kind, das arbeitet, respektieren, ohne es zu unterbrechen.
Er muss das Kind, das Fehler macht, respektieren, ohne es zu korrigieren.
Er muss das Kind respektieren, das sich ausruht und das den anderen bei der Arbeit zusieht, ohne es zu stören, ohne es anzurufen, ohne es zur Arbeit zu zwingen.
Der Lehrer muss seine Gegenwart das Kind spüren lassen, das sucht, und sich verbergen vor dem, das gefunden hat.“ (Zitat Montessori, in: Candolini. 2007, S. 15)
Der Lehrer befindet sich also nicht in der Rolle eines Wissensvermittlers oder Wissenskontrolleurs, sondern er soll den Kindern helfen und ihnen den Kontakt zu Materialien ermöglichen, mithilfe derer die Lernenden Wissen erforschen und erwerben kann.
Die selbstständige Arbeit der Kinder, nach gelungenem Kontakt mit dem Arbeitsmaterial, steht dabei im Vordergrund.
Der Lehrer erstellt dazu Arbeitsmaterial, gibt – wenn notwendig – Anleitung zu dem Umgang mit diesem Material und bespricht mit den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Möglichkeiten eines Arbeitsresultats.
Zusätzlich sollte der Lehrer den Überblick über den gesamten Lernprozess behalten und Lernfortschritte und Arbeitsergebnisse der einzelnen Lernenden dokumentieren ohne dies zu benoten.

Zitierte Literatur:

Candolini, Gernot (2007). Schule der Kinder. Leben und Lernen mit Montessori. München, Kösel.