Medienkompetenz
| Definition: "Medienkompetenz beschreibt das Vermögen und die Bereitschaft in Medienzusammenhängen sachgerecht, selbstbestimmt, kreativ und sozial verantwortlich zu handeln" (Schulz-Zander & Tulodziecki, 2009, S. 44). |
Gesellschaftlicher Wandel
Aufgrund des Wandels unserer Gesellschaft von einer Industriegesellschaft zur einer Wissensgesellschaft, nimmt die Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien zu. Dies hat auch Einfluss auf das Bildungssystem.
OECD und Europäische Kommission forderten daher 1998 eine Vorbereitung von Schülerinnen und Schülern auf lebenslanges Lernen. Dazu sollen den Lernenden Strategien des Wissensmanagements und die Fähigkeit zum eigenaktiven, selbst organisierten und kooperativem Lernen unter Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien vermittelt werden (vgl. Schulz-Zander & Tulodziecki, 2009, S. 38).
Bereits 1995 hatte die BLK dazu aufgerufen, dass Kinder und Jugendliche Kenntnisse und Einsichten, Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen sollen, die ihnen ein sachgerechtes und selbstbestimmtes, kreatives und sozialverantwortliches Handeln in einer von Medien und Informationstechnologien stark beeinflussten Welt ermöglichen. Sie forderte die Entfaltung von Medienkompetenz und Medienkultur für den alltäglichen Umgang mit elektronischen Medien (vgl. Schulz-Zander & Tudlodziecki, 2009, S. 43).
Dimensionen der Medienkompetenz
Medienkompetenz umfasst nach Schulz-Zander und Tulodziecki Kompetenzen in zwei Handlungszusammenhängen. Hierbei wird zwischen der Nutzung vorhandener Medienangebote und der eigenen Gestaltung medialer Aussagen unterschieden (vgl. Schulz-Zander & Tulodziecki, 2009, S. 44).
In den Bereich der Nutzung vorhandener Medienangebote fallen beispielsweise die "Nutzung von Online-Angeboten für Information und Lernen, für Unterhaltung und Spiel, für Problemlösung und Entscheidungsfindung oder für Kooperation und Kommunikation" (Schulz-Zander & Tuludziecki, 2009, S. 44).
Eigene Gestaltung medialer Aussagen kann u. a. die "Erstellung einer eigenen Zeitung, eines Hörmagazins, eines Videofilms, einer Computersimulation oder einer Homepage" (Schulz-Zander & Tulodziecki, 2009, S. 44) beinhalten.
Hierzu werden Kompetenzen und Verstehen, sowie Analyse und Urteilsfähigkeit in drei inhaltlichen Bereichen notwendig (vgl. Schulz-Zander & Tudlodziecki, 2009, S. 44):
1. Gestaltungsmöglichkeiten: Fotos, Graphiken, Filme (verschiedene Perspektiven), computerbasierte Bildbearbeitung
2. Nutzungsvoraussetzungen und -wirkungen: individuelle Einflüsse auf Gefühle, Vorstellungen und Verhalten, Bedeutung von Massen- und Individualkommunikation für öffentliche Meinungs- und Willensbildung
3. Medienproduktion und -verbreitung: technische Voraussetzungen, personale Bedingungen, rechtliche Bestimmungen, wirtschaftliche Interessen
Aufenanger (2001) bestimmt sechs Dimensionen, aus denen Medienkompetenz bestimmt werden kann:
1. Kognitive Dimension: Wissen, Verstehen, Analysieren im Zusammenhang mit Medien
2. Moralische Dimension: Betrachtung und Beurteilung von Medien unter ethischen Aspekten
3. Soziale Dimension: Umsetzung der ersten beiden Dimensionen im Raum des sozialen und politischen Handelns
4. Affektive Dimension: Angemessener Umgang mit der Funktion des Unterhaltens
5. Ästhetische Dimension: Medien als Vermittler unter einem kommunikationsästhetischen Aspekt
6. Handlungsdimension: Gestalten von Medien
Aufgabenbereiche der Medienbildung
Vor dem Hintergrund der Forderungen von OECD und BLK und den verschiedenen Dimensionen der Medienkompetenz lassen sich laut Schulz-Zander und Tulodziecki (2009) fünf Aufgabenbereiche der Medienbildung nennen:
"1. Auswählen und Nutzung von Medienangeboten auf Basis sachbezogener, sozialer und ethischer Urteilsfähigkeit
2. Gestalten und Verbreiten von eigenen Medienbeiträgen
3. Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen als Wirklichkeitskonstruktionen
4. Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen
5. Durchschauen und Beurteilen von rechtlichen, ökonomischen und institutionellen Bedingungen der Medienproduktion und Medienverbreitung im gesellschaftlichen Zusammenhang" (Schulz-Zander & Tulodziecki, 2009, S. 44 f.)
Zitierte Literatur:
Aufenanger, S. (2001). Multimedia und Medienkompetenz – Forderungen an das Bildungssystem. In: S. Aufenanger, R. Schulz-Zander & D. Spanhel: Jahrbuch der Medienpädagogik 1. Opladen, S. 109-122.
Schulz-Zander, R. & Tulodziecki, G. (2009). Pädagogische Grundlagen für das Online-Lernen. In: L.J. Issing & P. Klimsa (Hrsg.): Online-Lernen. Handbuch für Wissenschaft und Praxis. München, Oldenbourg, S. 35-45.
