Rolle des Computers im Schulunterricht
Durch die wachsende Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien in unserer Gesellschaft, nimmt auch die Nutzung von Computern an den Schulen zu. Neben dem Erlangen von grundlegendem technischem Wissen über Computer müssen Schülerinnen und Schüler Computer auch zur Informationsbeschaffung und Wissensaneignung nutzen können (vgl. Schaumburg, 2002, S. 335 f.).
Während die Vermittlung technischen Wissens über Computer nach Schaumburg (2002) in den Bereich der informationstechnischen Grundbildung fällt, legt sie einen Schwerpunkt auf die Frage der Integration des Computereinsatzes in klassischen Unterrichtsfächern.
Unterschieden kann bei dem Einsatz des Computers im Unterricht nach Jonassen (1996) zwischen „Computern als Wissensvermittlern (Lernen durch Computer) und Computern als kognitive [...] Werkzeuge [...] (Lernen mit Computern)“ (Schaumburg, 2002, S. 336).
Computer als Wissensvermittler
Computerbasierte Übungsprogramme und tutorielle Lernprogramme sind Beispiele für den Einsatz des Computers als Wissensvermittler. Lernende werden hier bei dem Erwerb von einfachen und definierbaren Fertigkeiten unterstützt, indem sie beim Lernen relativ stark durch das Programm gestützt werden und eine –meist lineare- Folge von Aufgaben durchlaufen (vgl. Schaumburg, 2002, S. 336).
Computer als kognitive Werkzeuge
Für eigenständige Lösung komplexer Probleme, die keine eindeutige Lösung haben, sind Übungs- und Tutorenprogramme nicht sinnvoll einsetzbar. Unter dem Einsatz des Computers als kognitives Werkzeug oder als „Denkwerkzeug“ wird verstanden, dass der Computer nicht nur als Wissensvermittler dient, sondern die Unterstützung komplexer kognitiver Prozesse effektiv fördert.
Lernende sollen „selbst gesteuert relevante Informationen zu einem vorgegebenen (oder von ihnen selbst generierten) Problem finden und integrieren müssen [und] […] auch Simulationen und Microworlds, in denen [sie] […] durch das Experimentieren mit interagierenden Variablen komplexe Zusammenhänge erkennen“ (Schaumburg, 2002, S. 337), nutzen.
Als Beispiele führt Schaumburg (2002) elektronische Nachschlagewerke oder Simulationsprogramme an. Vorstellbar wären auch dynamische Geometrieprogramme. Selbstgesteuerte Informationsrecherche ist im Internet möglich.
Papert vertrat bereits 1980 die Meinung, dass „das eigentliche Potential des Computers als Lernmedium darin liegt, den Lernenden anzuregen, sich mit komplexen Problemen auseinander zu setzen und selbstständig kreative Lösungen zu generieren“ (Schaumburg, 2002, S. 340).
Einschränkend muss allerdings festgestellt werden, dass Lernerfolg bei der Arbeit mit offenen Systemen vom Vorwissen und lernstrategischem Wissen der Schülerinnen und Schüler abhängig ist.
Zitierte Literatur
Schaumburg, H. (2002). Besseres Lernen durch Computer in der Schule? Nutzungsbeispiele und Einsatzbedingungen. In: L. J. Issing & P. Klimsa (Hrsg.). Information und Lernen mit Multimedia und Internet: Lehrbuch für Studium und Praxis. Weinheim, Beltz, 3. vollständig überarbeitete Auflage, S. 335-344.
Weiterführende Literatur
Jonassen, D. H., Howland, J. Moore, J. & Marra, R. M. (2003). Learning to Solve Problems with Technology. A Constructivistic Perspective. Merrill Prentice Hall.
Reeves, T. C. (1999). Der Einfluß neuer Medien auf den Schulunterricht – ein Forschungsbericht. In: Langen, C. (Hrsg.) (1999). Schulinnovation durch neue Medien. Entwürfe und Ergebnisse in Diskussion. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh, S. 65-80.
